schreibnetz - Mix # 2 - Literatur

L i t e r a t u r

Allgemein
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 Man fordert mich...

... manchmal auf dazu und dann erzähle ich über Deutschland. Im tiefsten Brasilien sind die Deutschen bekannt, aber auf einem Globus, ohne erkennbare Markierung der Landesgrenze, versuchen die Bewohner dieser südlichen Landstriche selbiges Deutschland in Russland und in Skandinavien zu finden. Zuweilen vergeigt sich ein Latino bis nach Wladiwostok. Wenn ich dann auf dieser mittelmelonengrossen Kugel, einzig mit meinem rechten Daumen, dieses imaginäre Land, gänzlich, und an der rechten Stelle, bedecke, dann ist zuweilen ein großes Erstaunen bemerkbar; sowohl über die Lage dieses Landes als auch über seine Kleinheit.

Nicht minder die Verwunderung, wenn ich berichte, dass es die Deutschen gar nicht gibt. Ich versuche es mit den Sachsen zu erklären. In Deutschland gibt es autonome Territorien die diesen Namen tragen. Niedersachsen ist ein Bundesland und Sachsen ist ein Freistaat. Mehrere hundert Kilometer weiter im Nordwesten, in England, gibt es die Grafschaften: Westsachsen, Südsachsen und Ostsachsen. Wer ist nun ein Sachse und wer nicht ?

Ich erzähle von den Franken. Ein Staat im Westen Europas mit der Hauptstadt Paris und auf der anderen Seite des Rheines, im Norden des deutschen Freistaates Bayern, eine ethnische Minderheit mit kleinlichen Provinzialrechten. Erstaunlicherweise besitzen andere ansässige Minderheiten wie etwa Sorben, eine in Deutschland sesshafte slawische Minderheit, oder Dänen, - sehr viel weitergehende Rechte, als etwa die in Deutschland siedelnden Franken!

Friesen nennen sich Deutsche. Ein Volksstamm, obwohl der deutschen Sprache mächtig, aber keinesfalls dessen bedürftig, sprechen sie von Dänemark über Deutschland, Niederlande und Belgien ihre eigenen (urtümlich mittelhochdeutsche) Sprachen. Sind das alles Deutsche? Ich weiss es nicht, sage ich.

Lars Dahn - Deutschlandexperte (aus Schreibnetz Austria 2001) LJD-2007-III-15


 Stempelbauernhof, Unikat, Unikum und Universum

Eine persönliche Edition ins Netz zu stellen ist zumindest genau so schwierig und kompliziert, wie ein solches Unterfangen in der Realwelt, etwa mit Büchern oder Zeitschriften, zu veranstalten wäre. In der Netzwelt genügt ein einzelnes Produkt, um einer Vielzahl von Verbrauchern Zugang und Nutzung zu gewähren. In der Realwelt sind Unikate beschränkt verwendbar und ebenso eingeschränkt ist die Zahl der Nutzer, zudem sind Kopien und Abschriften sehr mangelhaft und teuer. In der Netzwelt sind Kopien authentisch, kostenfrei. User können es jederzeit auf ihren Monitor oder in ihren Speicherbücherschrank setzen. Die Jahrtausende der kostbaren Handschriften sind vorbei; und: ich bedauere diesen Umstand keinesfalls.

Im Internet wird aus einem Unikat eine Edition. Dies wird durch die Klick-Rate gemacht. Selbst wenn es sich um ein Unikum handeln würde, welches von keinem Menschen angesteuert wird, genügen schon einige Suchmaschinen um dem Anspruch auf editorische Existenz zu genügen. Dies gilt auch dann wenn der Verursacher sein Produkt vom Host nimmt. Einige meiner (Index-) Seiten habe ich in den Archiven der Yahoo und Google völlig jungfräulich und mit allem Zubehör wieder gefunden, obschon sie bereits längere Zeit als Buchdeckel oder Bauchbinde ausgedient haben und lediglich in meinen Speichermedien ein verlassenes und überkommenes Dasein zu fröhnen schienen. Das Element der Rührung ist vergleichbar mit dem Auffinden eines alten Malbuches aus längst vergangenen Tagen.

Homepage-Editoren-Programme (HEP) enthalten in ihrer geläufigen Form nichts anderes als vorgefertigte Elemente welche vom Nutzer mit eigenem Text ausgestattet werden können. Das Format erinnert mich an jene Stempel mit denen ich als Kind ganze Menagerien von Tieren und Menschen, nebst Bauerhof, zugehörigen Gebäuden und Landschaften, auf ein Stück Papier zaubern konnte. Mit Spruchblasen und Farbstiftmalerei ergab dieses Szenarium bereits ein formidables, selbstgeschaffenes Universum.

Ich nutze diese HEPs in der Art, wie etwa ein Grafiker Lineal und Zirkel verwendet: zum exakten Aufbau der Rahmen. Darüber, in den Zusatzfunktionen: zum funktionalen Überprüfen der Seitenverknüpfungslinks, sowie zur Fehlerkorrektur des Scriptings. Die Stempel und Buntstifte fabriziere ich selbst.

Lars Dahn (Jan2002-aus:nov01) 2007-III-15-LJD