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Biogra-Fishes
a conspiration helper über/mit/von:
Lars J. Dahn
Zwischen den Engeln
und dem Heiligtum bin ich geboren. Meine Hebamme jagte mit mir und
meiner Mutter über allen Bergen dahin, schneller als ein Pfeil
oder eine Kanonenkugel.
Weniger prosaisch: Auf
dem Linienflug von Sacramento nach Los Angeles wurde ich in einem
Flugzeug geboren. Einige Wochen zu früh, oder pünktlich,
es wurde nie geklärt. Die Geburtshelferin, die meine Mutter von
mir entband, bezeichnete mich terminativ als "ein pünktliches
Kind"! Eine alte Indianerin. Sie nannte mich einen "Quabche'manqua",
welches von einer Passagierin mit "Luftikus" übersetzt
wurde.
Meine Eltern waren nie
verheiratet und so verlief auch die Scheidung beiderseits recht
unproblematisch. Mit sechs Jahren sprach ich neben Deutsch und Französisch,
auch noch Schwedisch, Englisch und perfekt Italienisch und Spanisch
sowie Katalans. Ich konnte in diesen Sprachen auch lesen und
schreiben. Mit acht Jahren zählte ich noch an den Fingern ab
und mit Zehn war es nicht sehr viel besser geworden. Einstein hatte
ich ja noch begriffen, aber ich verstand den Euklid nicht mehr.
Da ich mich auf
Kompromisse nicht einlassen wollte, kam es, in meinem ganzen Leben,
niemals zu einem Besuch einer öffentlichen Schule. Was die
Sprachen anbelangt, habe ich neben dem Baskischen, den baltischen
Sprachen, nebst Finnisch und Ungarisch, nur noch einiges bei den
Kernslaven zu erlernen. Wenn ich dies geschafft habe, und die rätischen
Sprachen bis dorten ausgestorben sind, dann kann ich Europäisch!
Meine literarische
Laufbahn begann bereits mit zwölf Jahren. Unter dem Namen "Akfak
Znarf" veröffentlichte ich in einer katalanischen
Tageszeitung Übersetzungen eines deutschsprachigen Autors. Im
Sommer darauf beglückte ich die Schweden mit Übersetzungen
aus dem Spanischen unter dem Namen "Acrolai Crag". Ein
deutscher Schlaumeier bejubelte mich bereits als skandinavisches
Wunderkind und übersetzte große Teile meines fragwürdigen
Produktes ins Deutsche. Ein Leserbrief an diese hamburgische
Feuletonredaktion zeigte dann auf Garcia Lorca. Eben diese Leserin
machte, in einem Nebensatz, auf einen ähnlichen Umstand in
Spanien und auf franZ kafkA aufmerksam.
Glück für
mich, daß ich mit vierzehn Jahren meine Berufung erkannte. Mit
weniger Pathos ist es völlig das Selbe: Ich war mit vierzehn
Jahren bereits beruflich tätig. Mein Onkel Frederic nahm mich
mit auf eine Tour durch Südschweden. Drei Sommermonate auf
Archivreise. Mehrere hundert Ortschaften und Flecken. Tausende von Büchern
in Kirchen und Amtsstuben, Archiven und Magazinen. Totenbücher,
Pestbücher, Geburtsbücher, Steuerbücher, Kladden,
Pergamente, Folianten, Ordner, Akten und eine Menge Micro-Fiches.
Aus den drei Monaten
wurden drei Jahre und die Trägerin der Unternehmung, eine
Schwedisch - US-Amerikanische Stiftung, hätte sogar noch zehn
weitere Jahre finanziert. Eine Folge unserer Arbeit war die
sogenannte "skandinavische Implosion" in der Genealogie.
Zehntausende von munter gepflegten Stammbäumen mußten
umgeschrieben werden. Es war auch ein schieres Rätsel gewesen,
warum gerade der schwedische Adel, unter den Besiedlern der neuen
Welt, gar so häufig vertreten sein soll?
Mit siebzehn Jahren
erhöhten sich meine Besuche in Deutschland. Im Auftrage
einzelner Auftraggeber kundschaftete ich in deutschen Stammbäumen.
Meine Kunst befasst sich besonders mit den "versteckten Wurzeln".
Das sind geographische Veränderungen einer Zielperson, oder Löschungen
von Personen. Die Löschungen sind irreparabel. Ein Brand, oder
eine böswillige Absicht sind fast immer endgültig. Aber
nur fast. Eine einzige Pilgerfahrt der Zielperson genügt und
ein Bandwurm von Fundstellen ergibt sich. Eine zum (schandhaften)
Kreuze tragende Zielperson, ist ein Signal, wenn, bei einem weit
entfernten Teil der Verwandschaft, ein Vetter mit ähnlichem
Namen auftaucht und der Kreuzträger zur gleichen Zeit spurlos
verschwindet.
Es gibt auch
vertuschte Spuren. Finde ich solch eine Spur und ergibt sich eine
eindeutige Zielperson, dann ist eine Gen-Analys beinahe unnötig
und ich kann den Nachkommen mit dem (unter Genealogen bekannten)
Satz begrüßen: "Ich gratuliere ihnen! Sie sind ein
Bastard !" Im Gegensatz zu den aristokratischen Schweden, die
es nie gegeben hat, haben meine neueren Untersuchungen den Nachweis
erbracht, dass die weiße Bevölkerung der USA sehr stark
durchsetzt ist mit illegitimen Abkömmlingen des gesamten europäischen
Adels. Kaspar Hauser war also Amerikaner.
Durch meine Arbeit
konnte ich ein kleines Vermögen erwirtschaften. Weniger als ein
Fußballspieler oder Boxer in zehn Jahren verdient, aber immer
noch sehr viel mehr als ich für den großen Rest meines
Lebens benötige.
Obwohl nun eine
Evolution der matrilinearen Komponenten innerhalb der Genealogie
eine löbliche Neuorientierung in der Ausrichtung dieser
Wissenschaft andeutet, habe ich mich vor drei Jahren entschlossen
nur noch sehr selten auf diesem Felde zu arbeiten. Meine Berufung
war lediglich ein Zwischenschritt. Alte Namen gibt es genug und das
Gelände wird von Hunderttausenden beackert.
Die Edisumistik***
ist nun eine gänzlich neue Wissenschaft. Die Edisumistik
befasst sich mit der Befassung. Der Ring der um das Holzfass gelegt.
Die Namen die den neuen Dingen gegeben werden sollen. Die Namen die
ich den Namenslosen gebe. Edisumistik ist der Name der Wissenschaft,
die sich mit Namensgebungen befasst. Es ist nicht besonders
einfallsreich, bei der Straßennamenbenennung eines ganzen
Ortsteils, sich auf Vögel zu beschränken. Adlerstraße
bis Zeisigweg sind eher diskreminierend als lustig, förderlich
sind sie keinesfalls. Dichter und Tonsetzer werden hier gleichfalls
heftig missbraucht. Früher trugen die Straßennamen noch
die Berufe der Tätigen in sich. Heute wohnen hunderttausende in
einer Lindenstraße. Ohne Baum. Gleich viele in der Uhlandstraße.
Ohne Dichter. Hunderte von Kaiserstraßen und Königsallee.
In einer Demokratie! Selbst vor Politikern wird nicht zurück
geschreckt. Und alles gehäuft. Eine schlamperte und arrogante
Edisumierung hat hier statt gefunden.
Meine Edisumierungen
beschränken sich auf Internet-Literatur. Das ist Literatur die
es nur im Internet (und nicht auf Papier) gibt. Und ganz konkret
sind die Wortfindungsbemühungen hier auf den Bereich der "verknüpften
Literatur" gerichtet. Verknüpfte Literatur gab es schon
immer. Ursprünge habe ich in alten Balladen und
Kreuzkorrespondenzen gefunden. Verschiedene Autoren verknüpfen
ihre Literaturen. Noch älter ist das Gilgamesch-Epos. Auch die
Bibel ist verknüpfte Literatur. Wenn es gut gemacht ist, dann
ist auch alles was unter Herausgeber firmiert oder als juristische
Akte vorliegt: verknüpfte Literatur.
Ich will es gleich
sagen: "Verknüpfte Literatur" hat noch kein Edisum;
entsprechend einem Histomat oder Diamat hat noch keine Kürzelung
statt gefunden. Möglicherweise ist "verknüpfte
Literatur" das Edisum! Auch "Der dreißigjährige
Krieg" ist sehr sperrig, hat sich aber nichtsdestotrotz als
Edisum eingeprägt. Die Frage ist bei verknüpfter Literatur
noch gänzlich offen. Geklärt ist ein Neues. "Biogra-Fishes"
ist neu und taucht hier als Premiere im Netz auf. Es wird auch in
den Schreibformen Biografishes oder Biografish auftauchen. Alles
Betreffs, die auf mich, Lars Dahn, Tasse, virtuelle Person, einen
Hinweis geben, werde ich hinfort mit Biografish bezeichnen.
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*, **, *** - siehe dazu in der Redaktion Internetistik unter "Tassen"
Aus Lars Dahn Edition 2004
LJD-II2007

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