- August 2002 - Blatt 0001 (Code:W)
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Biographische Daten zu: PROJEKT
Für die biographischen Daten und Erklärungen (Personen/Sach-Index) sind die Dokument-Codes W, X, Y, Z eingerichtet. Bis zum Abschlusse der Edition ist diese Abteilung UNGEORDNET und entspricht mehr der logischen und aktuellen Folge, als einer arithmetischen Ordnung! Innerhalb dieser Abteilung bin ich für Zuschriften, bezüglich der Erweiterung der Dokumentation, sehr dankbar!- (L-D-Feb.02)
Zum Thema: GOMMEL, Johannes
Zum Thema: DÄNEMARK, Hersch(el)
Zum Thema: DÜRR, Jakob
Einiges über Sperling SPERLING, Carl Gustav Theodor



Gommel, Johannes (1811-1841?)

-Wurde einer breiteren Öffentlichkeit postum bekannt durch die Veröffentlichungen des J. Hahn "Das Geisterhannesle" (1848 Ludwigsburg).

"...so kam das Gerede auf in der Gemeinde: Das Hannesle sei gesehen worden zu Wien und anderen Ortes, ja selbst aus Prag meldeten sich Brüder und Schwestern die ihn zur selbigen Zeit (Himmelfahrtstag 1844) erkannten; wiewohl er doch aber gerade zu diesen Stunden bei mir zugegen war!" - (Aus: Sperling a.a.O.)

Unter den Pietisten des allemannischen Raumes -, oft Abkömmlinge von französischen Protestanten, die in Folge der sogenannten "Bluthochzeit" (Bartholomäusnacht) nach Baden, Württemberg und Schwaben flüchteten, - war Gommel, zu Lebzeiten, besonders aber nach seinem Tode, eine sehr bekannte Gestalt.

Der großherzogliche Archivar der ersten Kammer der Landstände Karl Wilhelm Spörin (gestorben: 7. März 1865) berichtet unter dem 4.April 1855: "... Da nun das gänzlich unversehrte Grab eröffnet und der Sarg gehoben, - barg dieser lediglich ein Totenhemd aus weißem Linnen, solches völlig unversehrt und unverdorben. Es ward weder eine Leiche, noch die Reste einer Leiche gefunden..."

Leuchterscheinungen werden von Gommel berichtet ("...und da war immer ein Leuchten seiner Gestalt -wenn er Predigten hielt. Und wenn er so redete und der Geist über ihn kam, ward es lichter Tag um ihn, selbst in der Dämmerung einer Stube. Das haben viele gesehen und können es bezeugen.") - Gommel war offensichtlich ein Heiler. Er verwendete Kräuter und Weinbrandtinkturen, sehr erfolgreich. Levitationen und Jenseitsreisen werden berichtet; ebenso: Heilungen durch Gebet, Geisterkontakt, Durchsichtigkeit (also: unsichtbar werden könnend), usw. Obwohl er weder Lesen noch Schreiben konnte und im normalen Leben keinen vernünftigen Satz ohne Stottern hervorbrachte, soll er sich in seinen "Verzückungen und Gesichten" als ein großer Prediger mit höchster rethorischer Qualität gezeigt haben.

Verbindungen zu J.Dürr, der ein Jahr zuvor (1840) gestorben war (nach Sperling: durch Gift), liegen sowohl aus zeitlichen als auch aus räumlichen Gründen nahe. Bei Justinus Kerner ist von einem Johannes Golem die Rede; und es ist nicht auszuschließen, daß hier ein, etwas verspieltes, Inkognito genutzt wurde, um den Gommel (noch zu Lebzeiten) vor den Verfolgungen der katholischen Kirche (laut: Sperling), oder näherliegender: vor dem massenhaften Zulauf von Heilsuchenden (wie bei J.Dürr geschehen) zu bewahren.

Nach Oben!

Dänemark, Hersch(el) (1772-1844)

Eigentlicher Name ist: Rabbi Herschel Löw (Stamm: Levi) ben Ascher; (Oberrabiner der jüdischen Gemeinde in Siebenbürgen, im heutigen Rumänien).

Wegen der herrschenden Not in der jüdischen Gemeinde, begab sich der alte Rabbi Löw (ein "Gerechter"), auf eine siebenjährige Promotionstour durch die Länder: Dänemark, Holland, Preußen, Frankreich, Bayern, Schweiz und Österreich/Ungarn. Sein Auftreten in: Baden, Württemberg, Hohenzollern, Schwaben - ist (im Gegensatze zu den Berichten von Pfarrer Sperling) nicht dokumentiert!

- In Band I "Die mystischen Erscheinungen des Seelenlebens" Stuttgart 1880, zitiert J.Kreyher aus den Baseler Neuesten Nachrichten - vom Oktober 1842:

B.N.N.26.9.1842:

Der Rabbi ließ, - von einer Anzahl, der, aus der Universithätsbibliothek herbeigebrachten hebräischen Bücher, durch die Gesellschaft, welche durchwegs aus Universithätsprofessoren und Personen des Geistlichen Standes bestand, - ein beliebiges Werk auswählen, ließ von den Anwesenden eine Seite des Buches und eine Zeile dieselbiger nennen und gab augenblicklich die auf dieser Stelle benannten Worte an.

Er hieß jemanden, den Finger, oder eine Stecknadel, - in irgendeine Stelle eines beliebigen hebräischen Buches zu legen, oder die Seite zu falten, und nannte dann, ohne des Vorganges ersichtlich zu sein, die Seitenzahl und den Inhalt. So ließ er auch mit einer Nadel die Seiten eines Werkes vom Blocke her durchstechen, und nannte dann, nicht nur die Zahl der durchstochenen Blätter, sondern genau den Text auf den die Nadel getroffen.

Ein Treffen des Hersch Dänemark mit J.Gommel (laut: Sperling) ist nicht sicher, aber sehr gut möglich


auf

Dürr, Jakob (1777-1840)

- Dürr ist sehr gut dokumentiert.- Sehr früh und noch zu Lebzeiten bei: C.A.Eschenmayer (Tübingen 1837) "Konflikte zwischen Himmel und Hölle"; - - J.v.Görres (Regensburg 1837-42) "Die christliche Mystik". - - Aus neuerer Zeit ist H.Gehrts erwähnenswert, der völlig neue und bisher unbekannte Elemente darlegt in: Der Teckbote (1962/137ff) "Jakob Dürr aus Kirchheim"; ibd: (1963/166ff), "Der Schneider von Kirchheim". - - Bei Justinus Kerner ist er in aktuellen ("Geschichten Besessener neuerer Zeit" Stuttgart/1834) und nachgelassenen Werken ("Die religiöse Erfahrung in ihrer Mannigfaltigkeit" Leipzig/1907) erwähnt.

Jakob Dürr, Schneidermeister in Kirchheim/Teck, war zu seinen Lebzeiten eine sehr populäre Figur. Aufbauend auf den sogenannten "animalischen Magnetismus" des Franz Anton Mesmer (1734-1815) interpretierte er dessen Lehren völlig richtig und befleißigte sich der Hypnose. "Sein Blick ist starr und er erkennt jedwedes Wesen bis zum Grund...; Sein Auge ist durchdringend..." schreibt der Tübinger Professor Eschenmayer an Kerner (Briefe: Schillermuseum/Marbach). Dürr hypnotisiert 20 Jahre vor Dr. James Esdaile, somit dürfte also nicht ein Engländer sondern ein Deutscher die Hypnose erfunden haben.

Dürr praktizierte mit schamanistischer Emblematik. Er verwendete: Stärkemittel, Drogen, Wundergürtel, Amulette, Pulver, Weihrauch und anderes. Ferndiagnosen und Fernheilungen werden ebenso berichtet wie Massenheilungen und Verzückungen von Gruppen. Seine Erfolge sollen enorm gewesen sein. In den Jahren 1816-1824 wurden in und um Kirchheim 18 neue Gasthäuser errichtet. Ein Zusammenhang mit dem Zulauf zu Dürr liegt nahe; insbesondere weil die Bevölkerung in den Zeiten des Vormärz und der Hungerjahre durch Emigration beträchtlich abgenommen hatte.

Nach Oben!




Sperling, Carl Gustav Theodor (1813-1917)

Protestantischer Pfarrer; Schüler von J.F.Oberlin in Ban de la Roche (1823-26). Auswanderung in die Neue Welt: Virginia, Mexiko (1827-33). Rückkehr nach Baden und erstes Treffen mit Gommel (1834). Seine nachgelassenen Schriften sind ungeordnet und ohne Titel; konkrete Datierungen sind selten. Sperling schreibt in mehreren Sprachen und Schriften (Hebräisch, Latein, Französisch, Spanisch, Armenisch, Englisch, Deutsch). Von 1840 bis 1916 will er Begleiter des o.g. J.Gommel gewesen sein. Sperling dürfte kurz vor Ende des ersten Weltkrieges gestorben sein.

Die redaktionelle Bearbeitung der Sperling-Dokumente zeigt sich als sehr schwierig. Die Unterlagen entsprechen mitlerweile etwa 2000 Buchseiten und werden innerhalb dieser Edition an einer eigenen Stelle in deutscher Sprache und zeitlicher Ordnung eingebracht.


(L-D/Feb.2002)

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